De-Esser –
Workshop

Zweikanaliger De-Esser mit automatischer Frequenzerkennung
Guido Bugmann

Ist das Signal zu fett an Zischlauten, wird meist mit einem De-Esser entschärft. SPL hat nun ein solches Gerät mit einer Automatik ausgestattet, die eine sehr präzise Wirkung bei schneller und einfacher Handhabung verspricht.

Überbetonte Zischlaute wie s…, ?… oder f… wirken sehr unschön und können das Hörerlebnis regelrecht vermissen (kennen Sie das Gefühl, wenn die Gehörschnecken mit der weissen Fahne winken?). Sie entstehen meistens dann, wenn eine dynamische Stimme mit einem linearen Kompressor bearbeitet werden muss. Zudem neigen digitale Aufnahmen allgemein etwas zu mehr Schärfe. Der traditionelle Weg, dieses Problem zu lösen ist ein Bandpass-Kompressor. Dieses Gerät spaltet das Signal frequenzabhängig auf (Bandpassfilter) und komprimiert dann den hochfrequenten Bereich. Allerdings ist die Bandbreite des Filters bis zu 3 kHz breit. Wenn ein S-Laut auftaucht, wird das ganze Band komprimiert, was zu unerwünschten Nebeneffekten wie Näseln oder Lispeln führen kann. Genau an dieser Stelle kommt nun der Auftritt des SPL, De-Essers. Er besitzt eine Schaltung, die fähig sein soll, sich automatisch auf die S-Frequenzen einzuregeln, die … reduzieren und dabei alle Nachbarfrequenzen unangetastet zu lassen. Na dann esssssen wir mal los … guten Appetit.

Das Auge isst mit

Der De-Esser trägt das bekannte Outfit einiger neuerer SPL-Entwicklungen, wie Mike Man, Vitalizer und Pro Mike: Zarte, dunkelblaue Farbkleckse auf schwarzer Frontplatte – ein edel wirkendes Design. Eingebaut in ein 19-Zoll-Gehäuse mit einer Höheneinheit wirkt das Gerät mit seinen 3,4 kg sehr solide und wertig. Die wenigen Bedienelemente zeigen zwei identisch aufgebaute Kanäle. Der gerasterte Drehregler, die LED-Kette und drei Tasten genügen um das Gerät zu bedienen. Ganz rechts aussen befindet sich noch der Netzschalter. Einfacher geht’s nicht. Die Rückseite präsentiert sich ebenfalls übersichtlich und komplett. Neben der Netzbuchse mit integrierter Sicherung befindet sich der Spannungswahlschalter. Durch den Ground-Lift-Schalter können Brummanteile beseitigt werden. Symmetrische (+6 dB) Ein- und Ausgänge sind als XLR- und Stereoklinkerbuchsen ausgeführt. Die Symmetriestufen erlauben aber auch einen asymmetrischen Anschluss, ohne dass Pegeldifferenzen befürchtet werden müssen.

Dem Rezept auf der Spur

Um das gewünschte Resultat ohne störende Nebeneffekte erreichen zu können, hat sich der Chef-Entwickler von SPL etwas Neues einfallen lassen. Sein Rezept enthält drei wesentliche Schritte: Schritt 1: Die Schaltung wird so konzipiert, dass sie sich automatisch auf die S-Frequenzen einregelt. Es muss keine Frequenz mehr vorgegeben werden. Schritt 2: Hat sie sich eingeregelt, so wird die Bandbreite so weit verringert, dass nur der Bereich des S-Lauts bearbeitet wird. Alle übrigen Frequenzteile bleiben unbearbeitet. Schritt 3: Das so bestimmte Frequenzband wird dem Originalsignal phaseninvertiert wieder beigemischt, wodurch sich der S-Laut auslöscht.

Bedienung bitte

Durch diese automatische Schaltung wird auch die Bedienung so vereinfacht, dass man eigentlich nichts falsch machen kann. Der Active-Schalter schaltet die Bearbeitung des Kanals ein oder aus. Um das Schaltknacken zu minimieren, wird hinter den Ein- und Ausgängen geschaltet. Eine fix verdrahtete Umleitung sorgt mit Hilfe eines Relais für eine saubere Bypass Schaltung. Mit dem De-Esser können zwei Monosignale oder ein Stereosignal bearbeitet werden. eine Kopplung beider Kanäle im Stereomodus ist nicht nötig, da nur ein schmales Frequenzband bearbeitet wird. Mit dem S-Reduction-Regler wird die Reduzierung der S-Laute eingestellt. Auf der LED-Kette kann dann die entsprechende Reduzierung in dB-Angaben abgelesen werden (0 dB … -20 dB). Die Male/Female-Taste dient zur Auswahl des Sprachbereichs. Bei gedrücktem Schalter ist der Female Modus aktiv. Die automatische S-Laut-Erkennung reagiert dann auf bestimmte Charakteristika weiblicher Stimmen. Der Auto-Treshold-Schalter aktiviert die automatische Regelung des Schwellwertes. Eine Veränderung der Sprechposition zum Mikrofon wird so ausgeglichen, wodurch der De-Essing-Effekt konstant bleibt.

Beurteilung

Einschleifen und loslegen. Die Schalter funktionieren allesamt absolut knackfrei. Die Bedienung wird zum Kinderspiel. Und die Wirkung dieser neuen Schaltung? – Einfach phänomenal – Das Gerät tut genau das, wofür es gebaut wurde: Es reduziert die Zischlaute, ohne hörbare Nebeneffekte. Mit dem Drehregler lässt sich die Intensität von sehr dezent bis kräftig einstellen. Das LED-Meter bietet dabei praktische, optische Untestützung. Auch in Extremstellung bleibt das bearbeitete Signal dem Originalsound sehr nahe. Mit anderen Worten: Die Rechnung geht auf! In Stellung «Female» erhöht sich das Abtasten um ca. 800 Hz, so dass auch die Zischlaute von Frqauenstimmen exakt eingependelt werden können. Selbst gemischtes Soundmaterial lässt sich mit dem SPL-De-Esser bearbeiten. Zu kantig oder zu hell gewordene Mixes können so dezent «weichgespühlt» weden und im Zusammenhang mit einem guten Equalizer eröffnet das Gerät dem experimentellen «Tonbastler» neue Möglichkeiten.

Fazit

Der Auto Dynamic De-Esser ist ein sauber verarbeitetes, optisch gelungenes Gerät. Bedienung und Anschlüsse sind beispielhaft. Klanglich müssen Attribute wie wirkungsvoll, klangneutral, rauschfrei und unaufdringlich verwendet werden, um der Schaltung gerecht zu werden. Sowohl männliche als auch weibliche Zischlaute lassen sich nach Belieben reduzieren; also die Lösung für alle Esssss-Probleme und ein Experimentierteil dazu. Die helfende Unterstützung der Automatikschaltung ist derart gut, dass ich geneigt bin, den SPL De-Esser als bestes Gerät seiner Klasse zu bezeichnen.

Meine Meinung

Ich hatte die Gelegenheit, den SPL De-Esser während einer Produktion mit mehreren Sprecherinnen und Sprechern einzusetzen. Wenige Sekunden Einstellarbeiten reichten jeweils aus, um Zischs dauerhaft ins Nirvana zu befördern. Wenn ich denke, was man sonst für ein Gefummel hat … Qualitativ hat mich der Testkandidat vollkommen überzeugt. Die Reduktion stellte auch in heiklen Situationen nicht das geringste Problem dar. Auch hohe Gainreductions (so um die -10 bis -12 dB), wie sie teilweise nötig waren, bereiteten keinerlei Mühe. Die Schaltung arbeitete stets präzise und hatte kaum negative klangliche Nebenerscheinungen zur folge. Lediglich als ich testhalber die Pegelreduktion bis an die -20 dB-Marke heranführte, wurden die Stimmen etwas flach und verloren an Schärfe und Brillanz. Allerdings hätte ein herkömmlicher De-Esser wohl schon lange vorher kapituliert. Die automatische Suche nach Zischlauten und die Auto-Threshold-Funktion – welche verhindert, dass man ständig nachpegeln muss – dürften einzigartig sein und erweisen sich in der Praxis als überaus nützlich. Auch die Hardware hinterlässt einen professionellen, langlebigen Eindruck. Kurzum: Wieder einmal ein Gerät, das mich restlos überzeugt hat und jedem, der Sprache und Gesang aufnimmt, bedingungslos empfohlen werden kann.

Markus Zehner