Track One –
Testbericht in Tastenwelt

Klangveredler
von Jürgen Richter

Bei “Channel-Strip” denkt man zuächst an High-End-Studiotechnik. Aber auch beim Homerecording und als hart arbeitender Musiker profitiert man vom Kanalzug der besonderen Art. Vor allem, wenn er wie der Track One von SPL kommt und der Preis mit spitzer Feder kalkuliert ist.

So ein Channel Strip ist wirklich etwas Feines: Auf engstem Raum bietet der einzelne Kanalzug alles, was man zur professionellen Bearbeitung einer beliebigen Klangquelle benötigt. Im Track one von spl findet man auf einer Höheneinheit einen De-esser, einen Kompressor/Limiter und eine höchst effektive Klangregelung – und das alles auf einem Qualitätsniveau, von dem ein normales Mischpult nur träumen kann. Ein prüfender Griff belegt dies eindrucksvoll – so sahnig laufende Potis hat man selten unter den Fingern.

Konzept

Die Klangquelle, die es zu bearbeiten gilt, kann ein teures Studiokondensatormikrofon sein oder genauso gut ein Keyboard, das man mit einem Klinkenkabel anschließt. Die Eingangssektion bietet nämlich eine XLR-Buchse mit vorne zuschaltbarer Phantomspeisung sowie eine Klinkenbuchse. Zwischen beiden Buchsen kann man mit einem Schalter an der Gerätefront umschalten. Alle Schalter sind groß und im gedrückten Zustand rot beleuchtet: Ende des Ratespiels, was den Schaltstatus anbelangt. Das gilt in gleicher Weise für das zuschaltbare Hochpassfilter, das tieffrequente Störgeräusche von der Aufnahme fernhalten soll.

An die Eingangssektion schließt sich eine Spezialität von spl an: der De-esser, der Zischlaute aus dem Signal entfernt. Spezialität deswegen, weil den De-essern von spl der Ruf vorauseilt, sie seien die effektivsten überhaupt und dabei kinderleicht zu bedienen. In der Tat gibt es hier genau einen Regler für die Intensität und einen Schalter zum Zuschalten – das war’s. Alles andere funktioniert automatisch.

Der Compressor/Limiter ist ähnlich einfach strukturiert. Wieder gibt es einen Intensitätsregler, der hier Compression heißt. Er stellt die Kompressionsrate ein (Ratio). Bei maximaler Einstellung wird eine Ratio von etwa 3:1 erreicht. Fehlbedienungen durch zu extreme Einstellungen sind dadurch praktisch ausgeschlossen. Etwas erklärungsbedürftig ist hingegen der Make-Up-Regler (was die deutsche Bedienungsanleitung übrigens in hervorragender Weise erledigt). Mit diesem Regler wird alles, was der Kompressor abgesenkt hat, wieder angehoben – und damit auch die leisen Passagen, die nicht komprimiert wurden. Schaltet man nun auf Limiter, arbeitet die Schaltung als weich klingender Soft-Limiter.

Auch die Klangregelung ist logisch aufgebaut und dabei einfach zu bedienen. Es handelt sich im Wesentlichen um eine dreibandige, halbparametrische Schaltung. Allerdings kann man nur bei den beiden ersten Bändern, nämlich Low und Mid-Hi, die Einsatzfrequenz tatsächlich einstellen. Bei dem obersten Band Air ist die Frequenz fest eingestellt. Dieses Band arbeitet mit einer eigenen Schaltung, die die Stimme besonders weich klingen lassen soll.

Praxis

“Weich” ist tatsächlich das Schlagwort, das den Klang des spl Track one am besten bezeichnet. Er bleibt immer angenehm, was vor allem dadurch erreicht wurde, dass man mit den Reglern kaum ernsthafte Schäden am Sound anrichten kann. Der De-esser arbeitet effektiv, aber unauffällig. Das gilt auch für den Compressor, der nur bei wirklich extremer Einstellung als Effekt hörbar wird. Auch der Soft-Limiter, der die Pegelspitzen abfangen soll, tut dies so, dass er nicht wirklich hörbar ins Klanggeschehen eingreift. Ein Peak-Limiter neigt an dieser Stelle nämlich zu unschönen und störenden Verzerrungen.

Die Klangregelung greift musikalisch und effektiv ins Geschehen ein.Gleichzeitig ist sichergestellt, dass der Sound als Ganzes nicht beeinträchtigt wird. Zwar kann man die Bässe zu sehr anheben, so dass eine Stimme zu dröhnig wird. Auch die Mitten lassen sich so weit absenken, dass die Durchsetzungsfähigkeit leidet. Aber wenn man sich an die Anleitung hält, kann mit dem einfach zu bedienenden Gerät nichts schief gehen. Beim Einsatz von digitalem Equipment bekommt der Klang eine Präsenz, die im Zusammenspiel mit der erwähnten Weichheit das Attribut “edel” tatsächlich verdient. Das gilt nicht nur für Aufnahmen im Computer, auch auf der Bühne macht der Track one eine ausgesprochen gute Figur. Vor allem als Alleinunterhalter wird man auf einen aufwändigen Mischer oft verzichten können und das Gerät einfach nur an einen Linemixer andocken.

Erwähnenswert ist noch, dass man den Track one mit einer Digitalschnittstelle im S/PDIF-Format ausstatten kann. Da diese generell Stereosignale überträgt, gibt es einen Anschluss an der Rückseite, an den man ein zweites Gerät anschließen kann. Das muss nicht unbedingt ein Track one sein, dieser Eingang akzeptiert auch jedes andere Line-Signal. Um nun den ebenfalls vorhandenen Link-Eingang nutzen zu können, braucht man allerdings schon ein zweites Gerät: Dann kann man beide Compressoren parallel laufen lassen und so ein Stereosignal bearbeiten.

Fazit

Geräte von SPL gelten als hochwertig und teuer. Umso mehr freut man sich über den vergleichsweise niedrigen Preis des Track one, der die Tür zum überzeugenden Gesangs- oder Instrumentalsound öffnet. Volle Punktzahl in den Disziplinen Sound, Bedienung und vor allem Preis-Leistung!